EU-Führerschein statt MPU?
Die ABV GmbH informiert:
Haben Sie auch schon über Angebote, die einen Erwerb des Führerscheins ohne medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU) in einem anderen EU-Land in Aussicht stellen, nachgedacht? Die Ihnen versprechen, dass Sie diesen EU-Führerschein dann auch völlig problemlos in Deutschland benutzen können?
Dann sind die folgenden Informationen für Sie wichtig:
Die Möglichkeit, den Führerschein in einem anderen EU-Mitgliedsland zu erwerben, ist grundsätzlich gegeben. Für eine dauerhafte Gültigkeit müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein:
1. Kein Erwerb vor Ablauf der Sperrfrist
Sollte der EU-Führerschein im Ausland während einer in Deutschland noch geltenden gerichtlichen Sperrfrist, wie sie z.B. nach einer Trunkenheitsfahrt verhängt wird, erteilt worden sein, entzieht die deutsche Führerscheinbehörde die Fahrerlaubnis wieder sehr schnell. Das Recht zum Führen eines Kraftfahrzeuges im Inland erlischt.
| Die Nutzung einer EU-Fahrerlaubnis während der Sperrfrist stellt ein „Fahren ohne Fahrerlaubnis“ und damit einen Straftatbestand dar. |
2. Einhaltung des Wohnsitzprinzips
Sollte das sogenannte Wohnsitzprinzip verletzt worden sein, kann es ebenfalls zu einer Rücknahme des Führerscheins kommen. Es besagt, dass ein Antragsteller für eine Fahrerlaubnis in einem EU-Land mindestens 185 Tage in diesem Land gemeldet sein und dort auch seinen Hauptwohnsitz haben, d.h. dort leben und arbeiten muss, bevor er dort eine Fahrerlaubnis erhalten kann.
| Wenn aufgrund von unbestreitbaren Informationen feststeht, dass bei Erteilung einer EU-Fahrerlaubnis an einen deutschen Bürger dieses Prinzip nicht eingehalten wurde, wird die Fahrerlaubnis gem. EU-Rechtssprechung entzogen. |
3. Medizinisch-Psychologische Untersuchung?
Sollte vor Erwerb einer neuen Fahrerlaubnis eine MPU fällig gewesen sein, dann gilt seit dem 19. Januar 2009 eine im europäischen Ausland erworbene Fahrerlaubnis in Deutschland nicht mehr. Die zuständige deutsche Fahrerlaubnisbehörde kann den Führerschein einziehen und erneut eine MPU verlangen. Damit ist es faktisch sinnlos bzw. mit einem sehr hohen Risiko verbunden, unter Umgehung der MPU im europäischen Ausland eine Fahrerlaubnis zu erwerben.
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Lesen Sie dazu auch die Pressemitteilung des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vom 17.01.2009 „Führerscheintourismus wird bekämpft“: http://www.bmvbs.de/-,302.1062081/doc.htm Den entsprechenden Paragraphen der Fahrerlaubnis-Verordnung finden Sie unter http://www.gesetze-im-internet.de/fev/__28.html. |
4. Und außerdem: der schöne Schein kann trügen
Häufig gerieten Betroffene unwissend an unseriöse Anbieter von EU-Führerscheinen, insbesondere bei Komplett-Angeboten, die mit dem Erwerb eines meist osteuropäischen Führerscheins (z.B. Ungarn, Tschechien, Polen) innerhalb nur eines Wochenendes locken. Für sehr viel Geld (oft 1.000 bis 3.000 Euro) wurden die Betroffenen ins Ausland gefahren, erhielten unter Umständen auch Fahrunterricht. Dann wurde ggf. eine (vermeintliche) Führerscheinprüfung abgenommen und der Betroffene erhielt einen Führerschein. Der Laie kann dabei kaum feststellen, ob es dabei mit rechten Dingen zugegangen ist oder ob es sich beim erhaltenen Führerschein sogar um eine Totalfälschung handelt. Erst bei der Kontrolle in Deutschland, bei der eine genaue Überprüfung der ausländischen Fahrerlaubnis stattfindet, fällt dann auf: Der Führerschein ist gefälscht.
| Die Folgen: Nicht nur das Geld ist futsch, es folgt eine Anzeige wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis und Urkundenfälschung. Das vermeintliche Nichtwissen hilft einem dann vor Gericht auch nicht mehr. Es gibt unter Umständen eine neue Führerscheinsperre und die MPU ist danach erst recht fällig. |
Fazit
Es gibt einen günstigeren und besseren Weg zurück zum Führerschein:
Eine MPU kostet je nach Anlass z.B. 357 Euro (Punkte) oder 412 Euro (Alkohol) (siehe Preise). Sorge durchzufallen braucht niemand zu haben, der sich im Rahmen von Informationsabenden oder MPU-Beratungsgesprächen umfassend informiert und vorbereitet hat. Selbst wenn man die Kosten einer eventuellen verkehrspsychologischen Vorbereitung auf die MPU dazurechnet, liegen die Ausgaben noch deutlich niedriger als die Preise der meisten Anbieter von EU-Führerscheinen. Bei seriösen Anbietern liegt nach so einer Maßnahme die Bestehensquote bei der MPU bei über 90 %. Da braucht keiner Angst vor der MPU zu haben. Und wer auf diesem Wege den Führerschein zurückerhält, hat die Sicherheit, jederzeit und überall mit der neuen Fahrerlaubnis fahren zu dürfen – und kann der nächsten Polizeikontrolle gelassen entgehen sehen.
Wenn Sie mehr zu diesem Thema wissen möchten, dann können Sie sich auch auf den folgenden Seiten informieren:
Weiterführende Themen
- Fahrerlaubnisrecht: VG Braunschweig 6 B 11/06 vom 30.01.2006
- ADAC: Erwerb eines EU-Führerscheins bietet keine Sicherheit für MPU-Kandidaten
- 123recht: EU-Führerschein gilt nicht immer in Deutschland
- Fahrerlaubnisrecht: VG Münster AZ 10 L 361/06 (nicht rechtskräftig) vom 30.06.2006
- Auto Bild: Dubiose Vermittler lotsen deutsche Promillesünder zur Fahrprüfung nach Tschechien
- Fahrerlaubnisrecht: Entzug der EU-Fahrerlaubnis rechtens, VG Stade AZ M 1 A 2642/05 vom 16.08.2006
- Fahrerlaubnisrecht: Gericht stoppt Führerscheintourismus, OVG Nordrhein-Westfalen AZ 16 B 989/06 vom 13.09.2006

